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Entfesselt

Bildbeschreibung:

Im Zentrum des Bildes „Entfesselt“ von Arne Schöning ist der, Mitte 30-jährige, Dirk Michelus dargestellt. Von oben ins Bild fallendes Licht hebt den Sportler in seinem Rollstuhl gegen den komplett schwarzen Hintergrund ab. Der Rollstuhl hängt an vier zu Schlaufen verknoteten Seilsträngen dicht über dem Boden. In einem, sich nach hinten auflösenden, Lichtkreis zeichnen sich vage die Schatten des Rollstuhls auf dem Parkett ab.

Dirks Körper ist kunstvoll gefesselt. Die durch die Seile hervorgehobene Bewegungseinschränkung ist erotische Fesselkunst aus Japan, die man Shibari nennt. Die Praxis der Hängefesselung erzeugt bei den Beteiligten einen Schwebezustand.

Dirk hat kurzes, dunkles Haar und einen gestutzten Bart. Zu einem ärmellosen dunklen Achselshirt trägt er eine dunkle Hose. Seine muskulösen, nackten Arme bilden einen starken Kontrast zur dunklen Kleidung. Beide Arme sind seitlich auf Schulterhöhe angehoben. Eine Bambusstange mit etwa 5 Zentimeter Durchmesser verläuft hinter Dirks Schultern. Die Arme sind durch doppelt gelegte Seile an die Stange gefesselt. Der rechte Arm ist angewinkelt, so dass die Hand an der rechten Schulter ruht. Zwei Seilschlingen binden Unter- und Oberarm zusammen. Das Ende der Bambusstange ragt ein Stück über den rechten Ellenbogen hinaus. Die Finger der rechten Hand sind leicht gebeugt.

Sein linker Arm ist seitlich ausgestreckt und mit vier doppelt gelegten Seilschlingen an die Stange gefesselt. Die linke Hand ist zur losen Faust geballt, der Daumen berührt den Zeigefinger. Dirks konzentrierter und zugleich besonnener Blick folgt dem leicht nach unten weisenden linken Arm. Die Armhaltung ähnelt der eines Bogenschützen.

Sechs dicht untereinander verlaufende Seile winden sich um den Brustkorb und ähneln einem Gurt. Die gedrehten Seile sind etwa einen halben Zentimeter dick. Um jeden von Dirks Unterschenkel schlingen sich kunstvoll verknüpfte Seile. Sie sind vierfach gelegt und umspannen in gleichmäßigen Abständen an mehreren Stellen seine Hosenbeine und die in dunklen Socken steckenden Füße. Zwischen den Unterschenkeln bilden doppelt gelegte Seile ein sich kreuzendes Geflecht.

Bei dem Rollstuhl handelt es sich um einen speziell gefertigten Rugby-Rollstuhl. Die Greifreifen sind stark abgenutzt. Der Speichenschutz ist an mehreren Stellen eingerissen. Das metallene Gestell weist Dellen und Kratzer auf. Die Antriebsräder stehen schräg, unten weiter auseinander als oben, dies wird als Sturz bezeichnet. Zwei seitliche Stangen neben Dirks Unterschenkeln sind mit Polstern ummantelt. Ein Polster ist mit breitem dunklen Gewebeband geflickt. Vor der Fußstütze ist eine gitterförmige Stoßstange angebracht.

Trotz der, durch die Fesselung bedingten, kompletten Bewegungseinschränkung evoziert die Fotografie durch den Schwebezustand ein Gefühl des Losgelöstseins.

Das Buch

  • Buchcover Menschen mit Querschnittlähmung - Lebenswege und Lebenswelten